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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Der 30-jährige Krieg
Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:04
RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30-jährige Krieg (1) „Der Krieg ernährt sich selbst"



Ein Überblick über das Wesen, die Strategien, die Bilanz. (Dreißigjähriger Krieg) Siehe auch http://www.milger.de/dkinhalt.htm. Mit Aufnahmen von Spektakeln zum Gedenken in Breitenfeld, Rothenburg, Münnerstadt, Memmingen und Seesen.
Plündern war die Haupttätigkeit der Söldner. Nur wer sich freikaufen konnte, kam davon. Devise der Kriegsherren: Der Krieg ernährt sich selbst. Sold gab es höchst selten. Wurde eine Stadt gestürmt, kam auch schon mal die ganze Bevölkerung zu Tote. In der Propaganda hatte jeder Gott auf seiner Seite, trotz ersichtlichen Mangels an himmlischer Fürsorge. Beide Seiten reklamierten den Beistand der Gottesmutter, also der Jungfrau Maria. Was den irdischen Frauen so widerfuhr, bezeichnen die Chronisten formelhaft als: "Schändung von Frauen, auch von Jungfrauen". Vergewaltigungen auf „Feindgebiet" wurden nicht bestraft. Kriegsziel?
Nach ihrem Glauben pflegten die Söldner beider Lager ihre Opfer vorher nicht zu fragen. Gegen Seinesgleichen vorzugehen war in einem Soldatenleben eine eher seltene Notwendigkeit. Auch im Gefecht fragte der Söldner nicht nach dem Glauben, der Religion, der Konfession. Er wurde, bei seiner Anwerbung, auch nicht danach gefragt. Im Gefecht kamen höchstens 200.000 Soldaten um oder wurden tödlich verwundet. Die meisten starben an Hunger und Krankheiten, wie die anderen auch.
In den Landstrichen von Pommern über Thüringen und Hessen nach Württemberg waren am Ende 2/3 der Bevölkerung nicht mehr da. Sie starben an Hunger, oder von Hunger geschwächt, an Krankheiten, deren Ausbreitung durch die Truppenbewegungen gefördert wurde. Krieg war, wo die Soldaten waren. Die Bauern wurden für den eigenen Bedarf ausgeplündert und beim Abzug sorgten sie dafür, dass für den Feind nichts übrig blieb. Die zeitgenössischen Chronisten hielten den Krieg nicht für einen Glaubenskrieg. Es ging um das Königreich Böhmen und die enteigneten Güter der Kirche Zeitgenossen. Vor der Reformation gehörte rund ein Drittel des Landes nämlich Äbten oder Bischöfen und Domherren. Ein erster schwerer Angriff auf die Güter der Kirche erfolgte an der Universität von Oxford um 1380. Der renommierte Oxforder Theologe John Wyclif befand, sich auf die Bibel berufend....:"Die Kirche hat ihren Besitz, der halb England ausmacht, weder gekauft noch durch Verdienste erworben. Sie hat kein Recht darauf." Soweit zur Vorgeschichte.

Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:09
#2 RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30jährige Krieg (2) - Vorgeschichte - Die Enteigung der Kirchengüter



Nicht um Glauben, Religion oder Konfession wurde gestritten. Das war Propaganda. Tasächlich ging es bei der Reformation und im dreißigjährigen Krieg um Landbesitz und das Geldaufkommen der Kirche (Ablasshandel). Genauer: Kriegsgrund war der der Besitz und die Einnahmen vom Papst, Fürstäbten, Erzbischöfen, Bischöfen, Domherren, Professoren etc. Das entsprach nicht unbedingt dem Sinn der Evangelien, aber es gab gewisse Sachzwänge. Ihre Territorien bildeten ein Drittel des Abendlandes. Siehe auch www.milger.de/dkinhalt
Ein erster Angriff auf die Güter der Kirche erfolgte an der Universität von Oxford um 1380. Der renommierte Oxforder Theologe John Wyclif (Wiclif) befand,
sich auf die Bibel berufend: "Die Kirche hat ihren Besitz, der halb England ausmacht, weder gekauft noch durch Verdienste erworben. Sie hat kein Recht darauf. Wiclif kam mit mit dem Leben davon, weil ihn der Duke of Lancaster beschützte. Doch eine große Zahl seine Anhänger erlitt den Feuertod. Die Schriften des „Erfinders" der Reformation gelangen an die Universität von Prag, wo Johannes Hus sie verbreitete und reformatorische Glaubensätze daraus entwickelte. Es war quasi eine neu Lehre. Hus wetterte gegen den Reichtum der Kirchenoberen, den Kirchenzehnten, den Ablass .... „Das Fegefeuer haben die Pfaffen erdacht". Das war populär, und seine Anhängerschaft nahm alsbald erhebliche Ausmaße an. Daher kam er nicht lebend davon. Auf dem Konzil in Konstanz 1415 wurde der Reformator als Ketzer verurteilt und verbrannt. Das war ein Fehler, denn nun formierten sich die Anhänger von Hus in Böhmen zur eine Reformbewegung, ein großer Teil des Kirchenbesitzes wurde enteignet. Das konnte nicht ohne Krieg abgehen. Die hussitischen Milizen siegten immer wieder, wenn Reichstruppen gegen sie ins Feld zogen. Der Krieg dauerte rund 20 Jahre, verheerte ganze Landstriche und die Hussiten verloren am Ende nur, weil sie sich gespalten hatten. Das Kirchengut mussten die Hussiten herausrücken, aber den Laienkelch durften beibehalten. Beim zweiten Anlauf operierten dann die deutschen Reformatoren unter Anleitung von Dr. Martin Luther erfolgreicher. Um 1530 hatten sich protestantische Fürsten und Städte Kirchen, Klöster und im Norden ganze Bistümer angeeignet. Ohne Waffengewalt. Der Kaiser Karl V: musste es hinnehmen, weil er in auswärtige Kriege verwickelt war. Aber er plante die Rückeroberung. Da ein Krieg drohte, gründeten protestantische Fürsten und Städte 1531 den Schmalkaldischen Bund. Die Verbündeten Protestanten wussten, dass die Früchte der Reformation in hohem Maße gefährdet waren. Der erste Teil des Schmalkaldischen Krieges (1545-1546 ) endete mit der Schlacht von Mühlberg an der Elbe. Der sächsische Kurfürst unterlag mit seiner Truppe den Kaiserlichen und wurde verhaftet. Doch die Protestanten gaben nicht auf und obsiegten im zweiten Teil. Kaiser und Kirche musste auf dem nächsten Reichstag in Augsburg klein beigeben. Der Erlass des Religionsfriedens brachte die staatliche Anerkennung einer zweiten Konfession. Aber er galt nur für Lutheraner und nicht für Kalvinisten. Jeder Landesherr kann von nun an die Konfession seiner Untertanen diktieren. Und vor allem: Die säkularisierten Kirchengüter dürfen vorläufig einbehalten werden.
Der Frieden von Augsburg brachte keinen Frieden. Der Kölner Krieg etwa entstand, weil der Bischof protestantisch wurde, aber das Bistum behalten wollte.
Für Fälle dieser Art hatte der Reichstag keine gültige Regelung getroffen. Kriege gibt's, wenn das Recht versagt. Peter Milger.

Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:13
#3 RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30-jährige Krieg (3) - Vorgeschichte - Kriege vor dem Krieg



Abfall der Niederlande & Jesuiten und die Gegenreformation & das Kreuz- und Fahnengefecht von Donauwörth. Der langwierigste Krieg nach der Reformation Luthers entstand, als sich die Stände der prostestantischen Nordprovinzen der Niederlande von Spanien lösten. Immer wieder versuchten spanische Truppen die abgefallen Provinzen zurückzuerobern, und metzelten dabei manchmal ganze Stadtbevölkerungen nieder. Aber die Niederländer halten stand.

Es wird bedrohlich, für das katholische Lager. Nach dem Abfall der Niederlande sind fast alle Länder, Regionen und Städte protestantisch, die es heute noch überwiegend sind. In Österreich und Böhmen begehren protestantische Stände gegen ihre katholischen Landesherren auf. Spanien und Österreich, im Haus Habsburg dynastisch verbunden und das Papsttum beschließen, das Ruder herumzureißen. Militärisch und politisch. Der politische Teil der Gegenreformation wird dem Orden der Gesellschaft Jesu übertragen. Die Jesuiten sollen missionieren und das weltliche Personal für den militärischen Teil schulen. In der Jesuitenhochburg Ingolstadt erhalten zwei Männer ihr geistiges Rüstzeug, die im dreißigjährigen Krieg heftig mitmischen werden: Maximilian, zukünftiger Landesherr über Bayern und Führer der katholischen Liga. Und der Habsburger Ferdinand, österreichischer Erzherzog, zukünftiger Kaiser.

Im Prinzip begann der 30jährige Krieg. In Schwäbischwerd, dem heutigen Donauwörth. In der damals noch freien Reichstadt kam es nämlich 1606 zum sogenannten Kreuz- und Fahnengefecht. Die Kirche mit dem dazugehörigen Grund und Boden war nicht mehr im Besitz des katholischen Klerus. Die Pfarrkirche und das Sozialwesen wurden schon seit zwei Generationen von der Stadt verwaltet -- und zwar gut evangelisch. Die Mehrheit der Bürger hatten den alten Heilsweg verlassen, der auf der Angst vor dem Fegefeuer und kostspieligen Abgaben an die Kirche beruhte Sie kamen nun ohne Ablass, Heiligenverehrung und allerlei Mess- und Altaropfer aus. Im Jahr 1605 ließ der Abt plötzlich die Fahnen innerhalb der Stadt flattern. Die Protestanten griffen ein, es kam zu Handgreiflichkeiten, und der Abt beschwerte sich bei Kaiser Rudolf II. Der ließ die Falle zuschnappen und übereignete Schwäbischwerd ganz einfach dem Bayernherzog Maximilian. Das war das Ende der reichsstädtischen Freiheiten. Als dessen Armee anrückte, mussten sich die Protestanten ergeben, weil die Protestantische Union keinen Beistand leistete. Ihre Anführer wurden bestraft, ihr Vermögen wurde eingezogen. Schwäbischwerd erhielt eine Amtsverwaltung und hieß nun Donauwörth.

Die Nachrichten über die Annexion einer Stadt lösten in ganz Deutschland Unruhe aus. Wird es Krieg geben? Für den Frieden zuständig waren der Reichstag und der Kaiser. Doch sie handeln nicht. Im Februar 1608 gießen hier einige Kirchenfürsten auch noch Öl ins Feuer und fordern die Rückgabe aller seit 1552 eingezogenen Kirchengüter in der Größenordnung einiger Bundesländer. Also ahnt man, dass es Krieg geben würde Doch die Politik versagte, und der Kaiser ergreift Partei, statt Frieden zu stiften. So nimmt das Unheil seinen Lauf. Peter Milger

Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:15
#4 RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30jährige Krieg (4) - Frontenbildung - ein Mönch rettet Habsburg



Kriegserklärung 1608 - Versagen der Politik. Die Nachrichten über die Annexion einer protestantischen Stadt lösten überall Unruhe aus. Das war offensichtlich der Anfang der militärischen Gegenreformation, nach deren geistigen Vorbereitung durch die Jesuiten. Für den Frieden zuständig waren der Reichstag und der Kaiser. Doch sie handeln nicht. Im Februar 1608 gossen auf dem Reichstag in Regensburg einige Kirchenfürsten auch noch Öl ins Feuer und forderten die Rückgabe aller seit 1552 eingezogenen Kirchengüter. Das war eine Provokation, Es ging um gewaltige Werte ... und der Kaiser ergriff Partei, statt Frieden zu stiften.
Nur neun Tage später trafen im säkularisierten Kloster Auhausen sechs protestantische Landesherren mit ihren Räten ein Die Gebieter über die Kurpfalz, Neuenburg, Ansbach, Kulmbach, Baden-Durlach und Württemberg - der harte Kern der Protestantischen Union - und handelten ein Bündnis aus. Angeblich nur zum Zweck der Verteidigung ihres Glaubens. Heimlich beschließen sie aber Eroberungen:
"Städte, Schlösser, Liegenschaften und Geschütze sollen nach dem Krieg unter den unierten Ständen verteilt werden."
Jülisch-Klevesche Erbfolgekrieg: Im März 1609 halten habsburgische und spanische Truppen die Festung Jülich, um das verwaiste Territorium für einen katholischen Anwärter zu sichern. Niederländische, englische und französische Kontingente belagern Jülich, um einen protestantischen Gegenspieler durchzusetzen. Und die Söldner im Dienst der Union hausen in den Territorien geistlicher Fürsten, in den Bistümern Speyer, Mainz, Worms, Bamberg und Würzburg. Der Ruin des Hauses Habsburg fand nicht statt, weil der Mönch Ravaillac König Heinrich VI. ermordete. Frankreich verließ die antihabsburgischen Allianz und als nun geistliche Fürsten und der Herzog von Bayern die katholische Liga gründen gaben die Führer der Protestanten auf und versprachen Entschädigungen. Frieden? Nein, im Kampf um das Königreich Böhmen versucht das Haus Habsburg sich selbst zu ruinieren, und die Protestanten mischen natürlich mit. Film von Peter Milger

Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:18
#5 RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30jährige Krieg (5) - Prager Fenstersturz - Vorwand - nicht Ursache



Habsburg greift nach Böhmen. Protestantische Union im Hintertreffen, Katholische Liga geründet. Der Länderschacher beginnt. Der Prager Fenstersturz diente Habsburg als Vorwand für den Einmarsch bayrischer und spanischer Truppen nach Böhmen. Der österreichische Zweig wollte sich das Königreich als Erbgut aneignen. Als Gegengabe ging das Elsass an die Spanier - als Aufmarschgebiet gegen die abgefallenen Niederländischen Generalstaaten. (Oñate-Vertrag). Gegner der Spanier und der Katholischen Liga im ersten Teil des großen Krieges waren die Protestantischen Stände Böhmens, unterstützt von den Niederländern. Die Protestantische Union hielt sich heraus. Der Fenstersturz wurde durch Mitglieder des Böhmischen Landtags vollzogen, eine in Böhmen legale Strafe. Die Opfer waren böhmische Bedienstete des Königs, es handelte sich also um einen innerböhmischen Konflikt. Vorgeschichte: Bruderkrieg im Hause Habsburg. Ab 1608 machten sich Erzherzog Matthias von Österreich und sein Bruder, Kaiser Rudolf II., Böhmen mit Waffengewalt streitig. Die protestantischen Stände unterstützten Rudolf, der im Gegenzug 1609 den sogenannten „Majestätsbrief" unterschrieb. Dieser garantierte vor allem die Freiheit der Konfession, diverse kirchliche Besitzstände und das Recht der Stände, den König zu wählen. 1618 tagten die Stände in Prag. Sie beklagten diverse Verstöße gegen den Majestätsbrief, etwa die Zerstörung einer Kirche und Zwangskatholisierungen durch katholische Großgrundbesitzer. Zwei von ihnen, Graf von Martinitz und Wilhelm Slavata fungierten auch als Statthalter in der königlichen Kanzlei. Die Stände verfassten eine Anklageschrift und ein Urteil gegen die beiden und drangen gewaltsam in die Kanzlei ein. Anführer war Graf Matthias von Thurn. Die Ständevertreter verlassen die Anklage und verhörten die beiden mehrere Stunden lang. (Laut späteren Aussagen der Angeklagten.) Das Urteil lautete: Bruch des Majestätsbrief und des Landfriedens. Strafe: Defenestration, Sturz aus dem Fenster. Erzherzog Ferdinand, längst dabei, mit Hilfe des spanischen Zweiges das Hauses Habsburg, einen Krieg gegen die Stände vorzubereiten legte den Vorgang als Akt der Rebellion gegen Kaiser und Reich aus, zur Rechtfertigung, in Böhmen einzumarschieren Die deutsche Geschichtsschreibung übernimmt weitgehend diese Auslegung. Die beiden Statthalter und ein Sekretär überlebten den Fenstersturz. Die „katholische" Propaganda behauptete sogleich, Engel hätten die Herren sanft zur Erde getragen. Eine eher protestantische Zeitung meldete, sie seien auf einem Misthaufen gelandet. Wahrscheinlich sind sie an der schrägen Mauer einfach nach unten gerutscht. Geschichte, 30jähriger Krieg, dreißigjähriger Krieg, Kriegsgeschichte, Kriegspropaganda, Glauben, Religionskriege, Glaubenskriege, Kriegsgrund. Peter Milger.

Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:19
#6 RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30jährige Krieg (6) - Einmarsch nach Böhmen - das Plündern geht los



Er ist nicht vergessen, zu groß war das Elend. In Dinkelsbühl, Breitenfeld, , Seesen und vielen anderen Städten veranstalten Vereine Spektakel. Reenactment heißt das heute. In Münnerstadt rettet die Jungfrau Maria die Stadt. War es ein Glaubenskrieg? Nein, in jeder Zeitung war damals zu lesen: Am Anfang ging es um das Königreich Böhmen. Habsburg mit Hilfe der Katholischen Liga gegen die protestantischen Stände Böhmens, denen die von Spanien abgefallen Niederländischen Generalstaaten beistanden. Der österreichische Erzherzog Ferdinand und Spaniens Botschafter Oñate haben in einem Geheimvertrag bestimmt: Böhmen geht an Österreich, das Elsass an Spanien. Nach dem Fenstersturz meldeten die Stände nach Wien, sie hätten nur mit innerböhmischen Gegnern des Majestätsbriefs abgerechnet. Aber Erzherzog Ferdinand, designierter König Böhmens, hält es für Rebellion und rät Kaiser Matthias zum Krieg. Dessen Kanzler, Kardinal Klesl, der einer Fraktion von Gemäßigten angehörte, zögerte. Ferdinand organisiert eine Verschwörung gegen ihn. Eine Zeitung meldet: „Wien. 21. Juli. Kardinal Klesl wurde an den Hof bestellt, dort gefangen genommen und von Reitern weggeführt." Nun ist der Weg frei. Oñate betreibt ie Aufstellung von zwei Regimentern mit spanischem Geld. Auch die Stände werben Truppen an. Graf Buquoy, in spanischem Dienst, tritt im Juni seine Stelle als kaiserlicher Feldmarschall an. Von Budweis aus unternehmen die Verbände Buquoys Beutezüge in die Umgebung. Eine Zeitung: "Die Kaiserlichen mit Morden und Brennen je länger je ärger gehaust". Den Ständen gelingt es, ein Bündnis mit den von Spanien abgefallenen Niederländern und dem kurpfälzischen Hof in Heidelberg zu schließen. Truppen und Geld werden zugesagt. Der Pfälzer Hof vermittelt ein Kontigent von 2.000 Mann an die böhmischen Stände. Damit wird aus dem spanisch-böhmischen Krieg ein europäischer. Eine Zeitung: "Graf Ernst von Mansfeld ist mit etlichem Kriegsvolk in Pilsen angekommen, den Ständen zu dienen." Damit tritt der nächste große Kriegsunternehmer auf. Er hatte vorher als Obrist unter den Habsburgen gedient und versucht es nun auf der anderen Seite. Mansfelds Truppe ist vor die Stadt Pilsen gerückt. „Die Stände haben ihm etliches Landvolk, mit Geschütz und Belagerungsgerät gegeben". Als die ganze Stadt besetzt war, kapitulierten die Habsburger Söldner. Ein Teil zog ab, die anderen traten in die Dienste Mansfelds. Es gehörte zu den Regeln des Berufsstandes, bezüglich der Religion keine Fragen zu stellen. Meldung: „Von Krummau aus hat der Graf von Buquoy mit starkem Streifen, Plündern, Brennen und dergleichen einen großen Schrecken unter das Landvolk gebracht." Die Ständetruppen hausten in Klöstern und Gütern katholischer Landbesitzer. Meldung: "Den 20. März 1619 hat Kaiser Matthias morgens zu Wien diese Welt gesegnet". Im Juni treffen in Frankfurt am Main rund 2.000 Gäste mit 1.500 Pferden ein. Nach langem Schachern wird Ferdinand zum Kaiser gewählt. Gefeiert wird reichlich, für den Frieden tun die hohen Herren nichts. Peter Milger

Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:21
#7 RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30jährige Krieg (7) - Politik versagt - erste Schlacht - Frauen geschändet



Anti-Habsburg Achse: Die böhmischen Stände verbünden sich mit den von Spanien abgefallenen Niederländern und dem kurpfälzischen Hof in Heidelberg. Damit wird aus dem spanisch-böhmischen Krieg ein europäischer. Das Bündnis stellt den Obristen Mansfeld ein. Theatrum, eine Zeitung: „Mansfeld ist vor die Stadt Pilsen gerückt. Die Stände haben ihm etliches Landvolk, mit Geschütz und Belagerungsgerät gegeben." Und die Habsburgischen? „Von Krummau aus hat der Graf von Buquoy mit starkem Streifen, Plündern, und Brennen einen großen Schrecken unter das Landvolk gebracht." Nach dem Ableben von Kaiser Matthias treffen im Juni 1619 in Frankfurt am Main rund 2.000 Gäste mit 1.500 Pferden ein, um der Kaiserwahl beizuwohnen. Die protestantischem Kurfürsten schicken nur ihre Gesandten, der Kandidat, der österreicherische Erzherzog Ferdinand, liegt ihnen nicht besonders. Nach zähen Verhandlungen, in denen Ferdinand die übliche Zusagen macht (Bares oder Privilegien) kommt die Einstimmigkeit zustande. Der Frieden war beim Schachern auf der Strecke geblieben. Der Krieg tritt auf der Stelle. Nach den Beutezügen ziehen sich die Spanischen in das stark befestigte Budweis zurück. Die Ständetruppen können die Stadt nicht einnehmen. Aber das schwach verteidigte Wien war ein lohnendes Ziel. Theatrum: "Der Graf Matthias von Thurn ist mit den Ständetruppen auf Wien marschiert." Die Belagerung zieht sich hin. Statt in Wien auszuhelfen, bedroht Buquoy nun seinerseits Prag. Theatrum: "Mansfeld zog mit 8 Fahnen zu Fuß an 500 zu Ross aus Pilsen, um die Böhmen zu verstärken." Bei Zablat kommt es am 10.6.1619 zu ersten Schlacht. Mansfelds Mannen haben das Nachsehen. Theatrum: "Als die Reiterei zerstreut und viele vom Fußvolk verloren waren, kamen auch die Übrigen in große Gefahr. Auch war fast die gesamte Munition mit ein Teil des Gepäcks verbrannt oder explodiert." Mansfeld kann einen Teil der Reiterei wieder versammeln. Das Fußvolk verteidigt sich bis zum letzten Knopf. Die Zeitung: "Als ihnen das Blei ausgegangen, haben sie sogar die Knöpfe ihrer Wämser verschossen und sich erst dann ergeben." Es waren etwa 1.000 Mansfelder, die sich nun bei Buquoy verdingten. Die Zeitung: "Die Buquoischen haben hundert Fass Wein, Mansfelds Tafelsilber, 10.000 Gulden und zwei Stück Geschütze weggeführt". Etwa 1.200 haben die erste Schlacht nicht überlebt. Nutznießer waren die Wiener. Die Zeitung: „Der Graf Thurn ist wegen der Niederlage Mansfelds von der Belagerung Wiens abgezogen." Im Wiener Stephansdom dankten sie zum ersten Mal alle Gott, Ferdinand, die Höflinge, der Klerus, und die erleichterten Bürger. Ansonsten hat die Schlacht von Zablat nichts entschieden. "Graf Mansfeld ist nach Pilsen geflohen und hat Patente ausgeteilt, um frisches Volk zu werben, auch hat der Buquoy ferner die Stadt Weitra eingenommen und in dieser Gegend mit Rauben, Morden und Brennen großen Schaden getan." Die Stände in Prag beklagten sich bei Ferdinand: "Ihre Würden haben viele Tausend Mann feindlichen spanischen Kriegsvolks ins Land gebracht, das große Tyrannei und Mutwillen ausübt. Die Fremden üben keine Schonung von Manns- noch Weibspersonen, auch nicht bei kleinen Kindern, die noch im Mutterleib verschlossen." Ferdinand antwortet: "Wo es zum Rauben, Brennen, Erwürgung von Weibern und Kindern, Schändung ehrlicher Frauen und Jungfrauen und anderen Exzessen gekommen ist ... geschah es gegen unsere Meinung und Befehl, und bewegt uns tief im Gemüt." Die Stände hatten genug von ihrem designierten König und setzen ihn ab. Peter Milger.

Historika Offline



Beiträge: 397

26.02.2014 11:23
#8 RE: Der 30-jährige Krieg Teil 1- von Peter Milger Antworten

Der 30jährige Krieg (8) - 1620 - Bayerische Regimenter wüten in Oberösterreich



1619. Die Fronten verhärten sich. Ferdinand II., Erzherzog in Österreich, designierter König von Böhmen, nun auch Kaiser hat nicht genug Geld, um ein eigenes Heer aufzustellen. In Böhmen wüten in seinem Auftrag von Spanien angeworbene Regimenter, also ausländische Truppen - was laut Reichsrecht verboten ist. Besorgt schlossen sich die protestantischen Stände Böhmens, Mährens, Schlesiens, der Lausitz, Ober- und Niederösterreichs zu einer Konföderation zusammen Am 3. November 1619 wird der junge Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen gewählt - an Stelle des dazu designierten Ferdinand. Ein Diplomat: „Spanien und das Haus Österreich werden eher alles aufgeben, als Böhmen." Richtig. Ferdinand zieht nun alle Register. Er kauft Helfershelfer: Einer ist Protestant: der Kurfürst Georg von Sachsen. Der zweite ist Katholik: Maximilian, Herzog von Bayern und Direktor der katholischen Liga. Georg soll als Lohn die Lausitz einbehalten. Maximilan darf in Ober- und Niederösterreich Steuern erheben und sich die Pfalz nebst der Kurwürde aneignen. Die Protestantische Union verspricht Neutralität. Erstes Ziel Maximilians und seines Feldherren Tilly: Oberösterreich. Dort sollen die protestantischen Stände als Aufständische behandelt, also bestraft, bekehrt und enteignet werden. Abmarsch im Juli 1620, Richtung Osten. Die Stände befanden, dass angesichts riesigen Armada organisierter Widerstand sinnlos wäre. Anders die Bauern, die wussten, was ihnen blühte. In den Wäldern versuchen die das Unheil aufzuhalten, in dem sie Straßen blockierten und auch angriffen, wenn sie in der Überzahl waren. Weil der Sold ausbleibt, beginnen Tillys Mannen schon in Bayern zu plündern. Hinter Braunau geht es dann richtig los. Mitreisende Jesuiten führen Tagebücher. Pater Drexel: „Unsere Soldaten bestürmten im Land ob der Enns sechs Stunden lang die Burg Aistersheim. Endlich ergaben sich die Bauern und Soldaten auf Gnade und Ungnade unserem erhabenen Herrn. Die Unsrigen aber beraubten ungeachtet des Verbotes der Anführer die Burg und holten wertvolle Güter weg." Es gibt auch Arbeit für die mitreisenden Kleriker. Pater Drexel: „ In der Burg wurden 16 Soldaten, darunter auch der Aufwiegler der Bauern, von unseren Patres als Häretiker überführt und an zwei Bäumen aufgehängt. Die Jesuiten erfahren, dass auch die Guten nicht nur Gutes tun. "Hier und da waren noch brennende Dörfer zu sehen, und alles stank. Am Weg sah man die Kadaver des abgeschlachteten Viehs." Pater Budlidius: "31. Juli. Nach dem Essen in Haag zogen wir nach Grieskirchen. Am Wegrand lagen unglaublich viele von den Soldaten getötete Pferde, Kühe, Kälber, sowie Schweine, und stanken. Daneben geringwertige Beute, die die Soldaten weggeworfen hatten." Pater Drexel "Auf dem Weg, wohin wir auch kamen, gab viele Ruinen verbrannter Dörfer, die auch noch rauchten. 1. August. Auf diesen Reisen erschien der Krieg tatsächlich als Antlitz allen Unheils, hier wurde geraubt, da war Beute, hier wurde gestorben, dort lag ein Toter." Die protestantischen Stände Oberösterreichs hatten einen Krieg verloren, den sie gar nicht geführt hatten. Die bayrischen Kommissare machten sich ans Werk. Schlösser und Güter des protestantischen Adels wurden beschlagnahmt und verkauft. Die Kirchengüter fielen an den römischen Klerus zurück, wer nicht konvertierte, musste das Land verlassen. Peter Milger

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